Der späte Herbst ist eine gute Metapher für das Loslassen. Bäume lassen ihre Blätter los, um sich im Winter zu erneuern und mit neuer Kraft in den Frühling zu starten. Wir Menschen hingegen wollen meist festhalten was uns lieb und teuer ist. Dabei ist es so wichtig, Altes zuerst loszulassen, um Platz für Neues zu schaffen. In diesem November ist mein Loslassen ganz besonders gefordert – und ich bin zugegebenermaßen nicht besonders gut darin.

Die bunten Blätter des Herbstes auf einem ruhigen Waldsee.
– Was verbirgt sich unter der Oberfläche?

Für uns Wienerinnen und Wiener begann der November mit einer Mischung aus Lockdown und Terrornacht. Für mich persönlich mit zwei herben Enttäuschungen: Erstens sind die Wiener Grünen, für die ich den ganzen Sommer über im Wahlkampf die Werbetrommel gerührt habe, aus der Stadtregierung geflogen. Und zweitens hab ich mich mit COVID infiziert und muss zum ersten Mal in meinem Leben erkennen, dass mein Körper nicht mehr funktioniert und mir ganz klar seine Grenzen aufzeigt.

Ich erlebe die beiden Ereignisse als persönliche Verluste: Das Gefühl, mit harter Arbeit nicht wirksam zu sein – und den Verlust der körperlichen Leistungsfähigkeit, der auch wirtschaftlich ganz schön an mir nagt. Verlust ist nie einfach. Während der Trauerprozess für uns alle persönlich und einzigartig ist, erinnern mich mein Schmerz und meine Verlustangst daran, wie wichtig es ist, meine Zeit bewusst zu verbringen und die Menschen, mit denen ich mich umgebe, gut auszuwählen.

Wenn der Körper auf langsam schaltet

Heute bin ich immer noch angeschlagen von meiner COVID Infektion. Ich erhole mich zu Hause und fühle mich jeden Tag sicherer und stärker. Der Muskel, den ich täglich trainiere, nennt sich Geduld. Ich kann Dir nicht sagen, wie schwer es mir fällt, Workshops und Kurse abzusagen. Aber mein Körper gibt derzeit den Takt vor. Er sagt: „Langsam“. Und: „Pause“. Es fällt mir sehr schwer, zwischen Gesundheit und wirtschaftlichem Auskommen zu navigieren. Zum Glück hab ich meine Familie und Freunde, die mich daran erinnern, jetzt auf meinen Körper zu hören und auf meine Gesundheit zu achten.

Egal, wie es Dir gerade geht, ob Du dich Verlust, Trauer, dem Loslassen oder einer Krankheit stellen musst, oder ob Du einfach nur einen Weg suchst, um durch den endlosen Stressstapel des Jahres 2020 zu navigieren: Du bist nicht allein. Diese Krise betrifft uns alle und sie führt uns alle darauf zurück, was uns am Wichtigsten ist.

Dankbarkeit üben und Neues einladen

Lisi hat mal wieder rechtzeitig Ruhe gegeben und ist jetzt erfüllt von Dankbarkeit. Dankbarkeit für die Ruhe und die freie Zeit, letztendlich für die Existenz selbst. Unabhängig vom Erfolg oder Misserfolg unserer Unternehmungen. „Sei nicht nur dankbar für das, was du hast, sondern auch für das, was du bist“, ist ihr Leitspruch. Das ist die Haltung, die uns weitermachen lässt, egal ob unsere Projekte heuer schon Früchte tragen – oder vielleicht erst im kommenden Jahr. Es ist die Konzentration auf alles, wofür wir dankbar sind, auch wenn die Manifestation im Außen noch auf sich warten lässt, die Neues in unser Leben einlädt.

„Sei nicht nur dankbar für das, was du hast, sondern auch für das, was du bist“

Lisi Reindl

Das Gute zu sehen, das schon in deinem Leben ist, ist die Grundlage, um Fülle in dein Leben einzuladen. Wenn der Gedanke, dass etwas fehlt, Teil deines Selbstwertgefühles ist, dann wirst du immer Mangel leiden. Wenn Anerkennung und Liebe fixer Bestandteil deiner Weltsicht sind, wirst du Dich reich fühlen. Was immer die Welt dir deines Erachtens vorenthält, enthältst du der Welt vor. Weil Du dich für zu unbedeutend hältst, um Lob, Anerkennung oder Zuwendung zu geben und zu empfangen.

Unter der stacheligen Hülle: köstliche Kastanien

Dankbarkeit zu üben ist gleichbedeutend damit, unsere Gefühle für andere und uns selbst auszudrücken. Durch einfache Worte sorgen wir nicht nur dafür, dass sich andere gut fühlen, sondern – das zeigen auch etliche Studien – dass wir uns auch selber viel besser fühlen. Dankbarkeit gibt uns die Verantwortung für unser eigenes Leben, indem wir das anerkennen und schätzen, was wir haben.

Wir können dankbar für unsere Vergangenheit sein, indem wir positive Erinnerungen abrufen. Wir können dankbar für die Gegenwart sein, indem wir unser Glück nicht als selbstverständlich sehen. Wir können auch dankbar sein, für die Zukunft, indem wir eine optimistische Haltung einnehmen. Dankbarkeit ist eine Möglichkeit, das zu schätzen, was wir haben, anstatt uns an das zu klammern, was wir nicht haben.

Impuls: Wofür bist Du in dieser Krise dankbar?

Um wieder Dankbarkeit zu empfinden, gibt es einen ganz einfachen Trick: Schreibe Dir oder anderen einen Dankbarkeitsbrief. Oder beginne damit, ein Dankbarkeitstagebuch zu führen. Mache es Dir zur Gewohnheit, Gedanken über die Geschenke, die Du jeden Tag erhältst, aufzuschreiben oder mit einem geliebten Menschen zu teilen.
Dankbarkeit ist untrennbar mit Glück und Motivation verbunden. Es mag uns nicht sofort von Schmerz und Stress befreien, aber es bringt uns das Gefühl der Kontrolle zurück.