Das mit dem Urlaub ist heuer so eine Sache. Wir sehnen uns nach Sonne und Leichtigkeit und danach, die Anstrengungen des Lock-Downs zu vergessen. Allein die Frage bleibt: ist das wirklich klug? Weil wir uns nicht sicher sind – und weil Corona unser Business ganz schön durcheinandergewirbelt hat, haben Lisi und ich einen Kompromiss gewählt: Wir waren heuer im Sommer auf Co-Workation.

Fotos: Sani Kopp

Co-Workation steht für die Verbindung von Community (Gemeinschaft),
Work (Arbeit) und Vacation (Urlaub) inmitten der Natur.

Wenn Dinge platzen, kann der Geist zwei Dinge tun. Er kann sich festklammern oder loslassen. Beides sind gesunde Reaktionen des Nervensystems. Wir können mit beidem arbeiten. Die Vitalität, die uns belebt, liegt allerdings hinter der Stille. In ihr drückt sich von Moment zu Moment das aus, was sein will. Nur wenn wir der Stille Raum geben, werden die Beweglichkeit und der Fluss der Dinge erkennbar.

Eine Auszeit vor dem Neuanfang

Schon der Dalai Lama lehrt, dass jeder Mensch sich einmal am Tag eine Aus-Zeit nur für sich nehmen sollte. Es geht um einen Augenblick der Stille. Es geht darum, einmal am Tag eine stille Zeit zu spüren, in der man keine neuen Eindrücke zu sich nimmt. Auch für Unternehmen und Projekte ist Entschleunigung wichtig. „Orte der Stille“ finden, soviel wie möglich ruhen lassen, sich mit der Quelle verbinden und aus dem Nullpunkt das Neue entstehen lassen. Netzwerke pflegen, Verbündete finden, Resilienz schaffen. Gerade jetzt ist es an der Zeit, zu entschleunigen, langsamer zu werden und unsere eigenen Rhythmen zu spüren und leben. Es ist die Zeit , die eigenen, tief liegenden Bedürfnisse, Wünsche und Sehnsüchte in der Stille und Ruhe auftauchen zu lassen, sie zu sehen und wirken zu lassen.

„Wenn es gelingt, die innere Quelle menschlicher Handlungen bei Change- und Innovationsprojekten gut zu berücksichtigen, können Systeme und Prozesse nachhaltig verändert werden und neue, schöpferische Lösungen entstehen.“

Otto C. Scharmer

Unsere Firma „Eis und Quell“ ist aus so einem Moment der Stille entstanden, und jetzt wollen wir uns mit der Kraft der Quelle wieder neu verbinden. Wer bist du mehr als deine Arbeit? Mit dieser Frage haben wir uns vor drei Jahren auf den Weg gemacht. Wir haben uns auf eine Reise eingelassen, wo am Beginn zwar der Wunsch nach beruflicher Selbständigkeit und privater Unabhängigkeit stand, das Ergebnis jedoch bewusst offen blieb. Anstatt gewohnte Pfade zu beschreiten haben wir uns von Anfang an gegen konventionelle Ratschläge und Normen gestellt, die einem sagen, wie man ein Unternehmen gründet.

Lisi nahm sich für ihren Neubeginn eine Auszeit von drei Monaten und reiste erst einmal nach Sri Lanka und Nepal. Sie besuchte ihre Freundin Birgit, die mit ihrer Idee „Karma Coffee“ schon länger Vorbild war und beschloß daraufhin, sich selbständig zu machen. Meine Reise war eine Reise nach innen und der Prozess ein wilder Tanz mit dem Chaos; ich liebe es, mich in neue Fachbereiche wie Psychologie, Yoga oder Innovationsmanagement zu hineinzustürzen, mich fallen zu lassen, loszulassen was sich nicht bewährt – und mitzunehmen, was bleiben will.

Unsere Reise war immer schon eine Reise nach innen.

Herausgekommen eine Mischung aus Unternehmensberatung und Kommunikationsagentur: „Eis und Quell“. Wir regen Gespräche an und entwickeln lösungsorientierte Projektdesigns. Dazu haben wir das Design Thinking, ein Innovations-Verfahren aus der Technik mit Methoden der Achtsamkeit vermischt. Unser Ziel: anschauliche Kommunikationstools, die von unseren Kunden gerne verwendet werden. Damit alle mehr Spaß and ihrer Arbeit haben – und Produkte für Menschen gemacht sind.

Aus der Stille – und wieder zurück

In unserer Zeit der Suche festigte sich eine Überzeugung: Unsere Arbeit soll aus unseren Stärken schöpfen, Spaß machen und Menschen miteinander verbinden. Lisi und ich wollten von Anfang an nicht als ein oder zwei Personen Firma tätig sein, sondern gemeinschaftlich zukunftsfähige Unternehmenskonzepte entwickeln. Aus diesem Grund haben wir die Genossenschaft INREGO gegründet.

Im letzten Jahr haben wir viel bewegt, aber vor allem die Gemeinschaft mit der INREGO hat sich nicht so entwickelt, wie wir uns das vorgestellt haben. Also packen wir unseren Mut, unsere Kraft und unsere Ideen wieder ein und machen uns selbst auf, das zu tun was wir predigen: Stehen zu bleiben, in uns hineinzuhören und zu schauen, was da kommen will. Dafür haben wir einen Ort der Stille gefunden, an dem wir uns gemeinsam mit einer Hand voll großartigen Frauen auf Coworkation zurückzuziehen. Wir wollen loslassen was gehen will – und Platz schaffen für das, was Bestand hat.

Lisi und Christine am Donauufer in Ottensheim

Wie verbringst du deinen Sommer? Was sind deine nächsten 5 Schritte in die Zukunft?

Nur wenn du in Verbindung bist – mit dir selbst und mit anderen – kannst du ohne Angst und Einschränkung deinen Weg gehen. Vielleicht hast du ja Lust, dir folgende Fragen in deine Ferien mitzunehmen:

  • In welchen Situationen in meinem Leben will etwas Neues entstehen?
  • Was schränkt mich ein? Wo empfinde ich Fesseln, die ich am liebsten abstreifen würde? Was muss ich loslassen wenn ich meine Vision leben will?
  • Was schätze ich besonders? Wo geht mir das Herz auf?
  • Wer sind die 5 wichtigsten Menschen, mit denen ich mich verbünden muss, um den nächsten Schritt in meine Zukunft zu tun?
  • Was sind meine 5 nächsten konkreten Schritte, mit denen ich ab morgen in diese Zukunft gehe?